Zum wiederholten Male konnten in Kooperation mit dem Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) e.V. und der Georg-von-Vollmar-Akademie e.V. zwei Zeitzeugengespräche mit Holocaust-Überlebenden durchgeführt werden.

Die Online-Zeitzeugengespräche fanden am 06. Juli mit den 9.Klassen unserer Schule im Rahmen des Geschichtsunterrichtes statt.

Mit Unterstützung von Frau Birgit Mair (ISFBB) erzählte zuerst Herr Grube, begleitet von einer Bildpräsentation, von seinen erschütternden Erlebnissen während des Nationalsozialismus. Ernst Grube wurde 1932 in München geboren. Seine Mutter war jüdisch, sein Vater evangelisch. In ihrer Not brachten die Eltern 1938 Ernst und seine beiden Geschwister in ein jüdisches Kinderheim. Von dort wurden viele Kinder später von den Nationalsozialisten deportiert und ermordet. Ernst und seine beiden Geschwister hatten „Glück“, sie mussten ab Frühjahr 1942 in das „Judenlager Milbertshofen“, später in ein weiteres Lager in Berg am Laim. Drei Monate vor Kriegsende wurden die Grube-Kinder und ihre Mutter in das Ghetto Theresienstadt deportiert, wo sie bis zur Befreiung am 8. Mai 1945 inhaftiert waren. Bis heute kämpft Herr Grube gegen Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus.

Anschließend berichtete die Zeitzeugin Eva Weyl. Frau Weyl ist am 07. Juni 1935 in Arnheim in den Niederlanden geboren. Ihre Eltern sind zuvor aus Deutschland in die Niederlande emigriert. Ihre Großväter kamen bald in die Niederlande nach, wo Eva mit ihrer Familie eine schöne Kindheit verlebte, bis sie 1942 ins Lager Westerbork geschickt wurden. Dort konnte die Familie mehreren Deportationen knapp entgehen. Nach dreieinhalb Jahren wurden sie im April 1945 befreit. Damit gehören sie zu den nur fünf Prozent, die das KZ Westerbork überlebt haben.

Eva Weyl, Trägerin des Bundesverdienstkreuzes, hob das erschreckende Alleinstellungsmerkmal des Naziregimes hervor: das „industrielle Töten von Menschen“. Gleichzeitig gab sie den Jugendlichen eine bedeutende Botschaft mit: „Ihr seid nicht verantwortlich für die Leiden des Nationalsozialismus und den Holocaust, aber wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass so etwas nie wieder geschieht.“

Die Schulgemeinschaft der Geschwister-Scholl-Realschule bedankt sich bei Herrn Grube und Frau Weyl für die interessanten und eindrucksvollen Schilderungen ihrer Lebensgeschichten.

Wir hoffen, auch im kommenden Jahr Zeitzeugengespräche veranstalten zu können.

Fachschaft Geschichte

Bild oben: Zeitzeugen-Gespräch mit Frau Weyl

Bild unten: Zeitzeugen-Gespräch mit Herrn Grube